DER STÄDTEBAULICHE WETTBEWERB

IDEEN FÜR EIN NEUES STADTQUARTIER

Wenn 25 renommierte Architektur- und Stadtplanungsbüros mit höchst unterschiedlichen Hintergründen ein neues Quartier mitten in Berlin entwerfen, dann ist mit spannenden Ergebnissen zu rechnen.

Entsprechend variationsreich waren die Entwürfe der teilnehmenden Büros. Von Seiten der Auslober wurde besonderer Wert auf die Zukunftsfähigkeit der Konzepte gelegt, insbesondere in ökologischer, wirtschaftlicher und sozial-räumlicher Hinsicht. Von 25 Teilnehmern reichten schlussendlich 22 ihre Arbeiten ein.

Der Wettbewerb folgte den Richtlinien der RPW 2013 (Richtlinie für Planungswettbewerbe) und wurde in zwei Phasen anonym durchgeführt. Die Teilnehmer sollten dabei auf Basis des bereits festgelegten Konsenskonzepts die baulichen Voraussetzungen für einen passenden, vielfältigen und das Quartier bereichernden „Nutzungsmix“ schaffen.

Die Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist nicht leicht: Wir wollen zukunftsfähige Ergebnisse. Ergebnisse, die für die Stadt und ihre Menschen einen Mehrwert bieten. Sie sollen Bestand in der Zukunft haben und das Berliner Stadtbild langfristig prägen.

M. Kimmich, Vorstand COPRO AG

Aufgabe war es auch, die architektonischen Aspekte wie die städtebauliche Einfügung oder die Anmutung und Wirkung der zukünftigen Baukörper und Räume zu berücksichtigen.

Die erste Phase fand im Sommer 2015 statt. Eine renommiert besetzte Jury, bestehend aus Architektur- und Stadtplanungsfachleuten sowie Experten mit großer Projektkenntnis, beurteilten im Anschluss an die Vorprüfung alle Arbeiten. Sieben Entwürfe schafften den Einzug in die zweite Phase.

Während der Bearbeitung in der zweiten Phase hatten Architekten und Stadtplaner die Gelegenheit, ihre bestehenden Entwürfe weiter auszuarbeiten. In der zweiten Jurysitzung im November 2015 wurden die beiden Architekturbüros COBE Berlin und Ortner & Ortner Baukunst als Wettbewerbssieger bestimmt.

Die Jurymitglieder und der Auslober waren von der hohen Qualität aller sieben Lösungsvorschläge für die Schaffung eines lebendigen und nachhaltigen Stadtquartiers am Berliner Gleisdreieck begeistert.

Sie betonten, dass es den Architekturbüros COBE Berlin und Ortner & Ortner Baukunst am besten gelungen sei, die Identität, Geschichte sowie die Werte des Ortes und seines Umfelds zu berücksichtigen. An diesem Ort entstehe nicht nur ein zukunftsweisendes, lebendiges Quartier, sondern auch ein neues Herzstück für Berlin, das Alt und Neu verbinde, so die Jury.

Sie teilten die Ansicht, dass sich das Areal vorwiegend für die Nutzung als Büro- und Gewerberäume eigne. Daneben sollten auch Einrichtungen für Kunst und Kultur einziehen sowie Raum für alternative Sportangebote geschaffen werden.

Entscheidend für die Auswahl der beiden Siegerkonzepte war die Vorgabe zur Entstehung eines lebendigen Stadtquartiers. Beide ausgewählten Entwürfe haben das in herausragender Weise umgesetzt.

Senatsbaudirektorin und Mitglied der Wettbewerbsjury Regula Lüscher

Darüber hinaus wurden die Entwürfe der Büros Ingenhoven Architects und Sauerbruch + Hutton mit einer Anerkennung ausgezeichnet.

Zeitlicher Ablauf des Wettbewerbs

  • Start Phase 1: Juli 2015
  • Jurysitzung Phase 1: 11.09.2015
  • Start Phase 2: 12.09.2015
  • Jurysitzung Phase 2: 20.11.2015
  • Ausstellung der Arbeiten: 03.-05.12.2015

 

Die Ergebnisse aus dem Wettbewerb als PDF zum Download.

 

Teilnehmer und Anerkennung Phase II: Sauerbruch + Hutton
Teilnehmer und Gewinner Phase II: O+O Baukunst Gesellschaft von Architekten
Teilnehmer Phase II: Kleihues+Kleihues
Teilnehmer und Anerkennung Phase II:Ingenhoven Architects
Teilnehmer und Gewinner Phase II: COBE Berlin
Teilnehmer Phase II: be Baumschlager Eberle Berlin
Teilnehmer Phase II: Barkow Leibinger

Entscheidung im Bebauungsplanverfahren

Mit zwei Siegerentwürfen startete das Bebauungsplanverfahren. Sie zeigten Möglichkeiten auf, wie die Bebauung aussehen kann und wurden die Grundlage für die Erstellung eines Masterplans und weiteren Bebauungsplanverfahrens. Nach der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit wurde der Entwurf von Ortner & Ortner Baukunst ausgewählt.

Im Sinne der Einbindung von Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange lagen ab Mitte Februar 2016 die Bebauungsplanunterlagen für einen Monat im Rathaus Friedrichshain-Kreuzberg aus.

Bis Ende Januar 2016 waren die beiden Siegerentwürfe von COBE Berlin und Ortner & Ortner Baukunst nach den Empfehlungen von Planern und Fachgutachtern überarbeitet worden. Im Rathaus konnten die Bürgerinnen und Bürger die Pläne und Entwürfe einsehen und sich nach Erläuterung der Ziele, Zwecke und Auswirkungen der Planung äußern. Diese Äußerungen wurden im Entscheidungsprozess berücksichtigt.

Senat und Auslober entschieden im Anschluss gemeinsam, welcher der beiden Entwürfe als Grundlage für den Masterplan und das weitere Bebauungsplanverfahren dienen sollte.

Am 26. April 2016 fiel nach Würdigung der Rückläufe aus den ersten Beteiligungsschritten zum Bebauungsplanverfahren die Entscheidung auf die Arbeit von Ortner & Ortner Baukunst. Begründet wurde die Entscheidung u.a. mit der großen Flexibilität der geplanten Bauten, insbesondere die Integration von Sportangeboten, einer Kunsthalle, aber auch von Gastronomie und Angeboten der Nahversorgung. Die Juroren schätzten darüber hinaus die relativ großen Grundflächen der Gebäude im Entwurf von Ortner & Ortner, da mehr in die Höhe als in die Breite gebaut werde. Dies sei vor allem für kreative Unternehmen attraktiv, die große Arbeitsflächen auf einer Ebene mit offenem Charakter bevorzugten. Durch großzügige Freiflächen vor und zwischen den einzelnen Gebäuden, so die Begründung weiter, falle die gesamte Bebauung luftig aus und es entstünden Sichtachsen zum denkmalgeschützten U-Bahnhof Gleisdreieck. Als zusätzlicher Vorteil wurde der Vorplatz im Eingangsbereich des Parks bei der Luckenwalder Straße bewertet.

VON DER IDEE ZUM MASTERPLAN

Auf Grundlage der Wettbewerbsentwürfe und unter Bürger- und Expertenbeteiligung erarbeiteten Konsenskonzeptes entstand der Masterplan für das künftige Stadtquartier. Ziel des Plans ist es, einen lebendigen Ort in Berlins Mitte zu schaffen.

Mit der Entwicklung des Masterplans ab Mai 2015 erfolgte die Konkretisierung der zukünftigen Nutzungen und Ausgestaltung der Urbanen Mitte. Grundlage hierfür bildete eine Vielzahl von Gutachten. Im Mittelpunkt des Masterplans standen die Entwicklung eines Nutzungs-, eines Verkehrs- und eines Freiraumkonzepts.

Für die Urbane Mitte sieht der Masterplan einen breit gefächerten, gewerblichen Nutzungsmix vor. Über diesen soll sich das künftige Quartier zu einem der Umgebung entsprechenden belebten Raum entwickeln. Neben klassischen Nutzungen wie Büros sowie Lebensmittelversorgung und Gastronomie sind auch Räume für Kunst und Kultur sowie Sport vorgesehen.

Im Fokus der Verkehrsplanung stehen Fuß- und Radverkehr sowie der öffentliche Personalnahverkehr (ÖPNV). Das Verkehrskonzept integriert den Anschluss eines Radfernwegs und eine Vielzahl von Stellplätzen. Mit dem bereits bestehenden U-Bahnhof ist das Gelände auch zentral an den ÖPNV angebunden. Aufgrund der Lage und Begebenheiten des Geländes ist der motorisierte Individualverkehr gegenüber den genannten Verkehrsteilnehmern nachrangig. Hier liegt der Schwerpunkt auf Carsharing und e-Mobility.

Mit dem Freiraumkonzept werden die Freiflächen als Ort der Begegnung und Interaktion gestaltet. Dies wird durch Promenaden, Außensportanlagen sowie die Anbindung an den umgebenden Park erreicht. Der Masterplan bildet mit seiner Ausgestaltung die Grundlage, die Urbane Mitte zu einem zukunftsgerechten urbanen Ort wachsen zu lassen, der Leben und Arbeit auf natürliche Art verbindet.

FAHRPLAN FÜR DEN BEBAUUNGSPLAN URBANE MITTE

Vom Bebauungsplan bis zum Planungsrecht. Das Quartier Urbane Mitte wird konkret.

Mit dem Aufstellungsbeschluss des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg am 20. Mai 2015 begann – parallel zum Masterplan – die Erarbeitung des Bebauungsplans.

Nach Durchführung der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit sowie der frühzeitigen Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im Februar und März 2016 wurden von Mitte 2016 bis Mitte 2017 die umfangreichen Stellungnahmen abgewogen, über ein Dutzend Fachgutachten erstellt und Abstimmungen zu diversen Einzelthemen durchgeführt.

Anfang November 2017 wurde dann der Beschluss zur Einbindung der Träger öffentlicher Belange (TÖB) gefasst und diese zwischen Ende November 2017 und Januar 2018 durchgeführt. Für 2018 sind die Abwägungen der Stellungnahmen der TÖB sowie Überarbeitungen des Masterplans geplant. Aufbauend darauf erfolgt als vorläufig letzter Beteiligungsschritt im Bebauungsplanverfahren die Offenlage. Nach deren Abschluss und anschließender Rechtsprüfung des Bebauungsplans kann die Festsetzung per Beschluss durch die Bezirksverordnetenversammlung erfolgen. Nach Beantragung und Erhalt der Baugenehmigungen ist dann der Weg für den Baubeginn frei.

                                                                                                                                                    

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